
Mir tut alles weh: die Fuesse, der Ruecken, die Huefte, die Schultern und der Hals...Ich wuerde diesen Eintrag gerne tapferer beginnen, aber meine Tapferkeit hab ich in den letzten fuenf Tagen, besonders gestern, schon vollstaendig aufgebraucht. Wie Till ja schon angekuendigt hatte, waren wir ueber Weihnachten im Nationalpark Torres del Paine und gestern sind wir wieder in Puerto Natales, dem Ausgangspunkt, angekommen. Es hatte schon verheissungsvoll angefangen. Am 21., ein Tag bevor es losgehen sollte, bin ich humpelnd durch den Supermarkt geschlichen, um Nudeln mit Tomatensosse fuer fuenf Tage einzukaufen. Meine Huefte hat mir naemlich schon da wehgetan, wahrscheinlich hat sie geahnt, was auf sie warten wuerde. Alles fertig gepackt, lagen wir frueh im Bett und haben versucht trotz des Cumbia(sowas wie suedamerikanische Volksmusik)-Konzerts in der Nachbarschaft einzuschlafen. Die Chilenen machen leider immer Party, wenn wir am naechsten Morgen mal frueh aufstehen muessen, oder machen sie vielleicht immer Party? Um 12 war uns das Einschlafen dank Ohrstoepseln auch gelungen und wir bekamen erst spaet mit, dass es von oben auf unser Bett tropfte. Das Wasser kam vom Badezimmer ueber uns, konnte gestoppt werden, das Bett getrocknet, aber der Schlaf kam natuerlich nicht so leicht zurueck. Also haben wir die Wanderung, die wegen ihrer Form auch das "W" genannt wird, etwas muede begonnen. Ich musste frueh feststellen, dass ich oefter von anderen Wanderern ueberholt werde, als dass ich selber ueberhole. Besonders auffallend sind die 5 bis 15 Personen grossen Gruppen von Israelis, die gerade ihren dreijaehrigen (oder fuer Maedchen zweijaehrigen) Militaerdienst beendet haben und durch den Park duesen. Dabei gucken sie auch noch ganz boese. Die Umgewoehnung von Soldat zu Tourist faellt ihnen scheinbar etwas schwer. Ausserhalb dieser Trupps haben wir allerdings auch echt nette Israelis kennengelernt, deren Militaerdienst so lange zurueckliegt, dass sie sich wieder menschlicher benehmen.
Obwohl wir in den ersten Tagen vergleichsweise kurze Etappen gelaufen sind, waren wir trotzdem jeden Abend sehr erschoepft. Aber wie gesagt ich blieb tapfer und meine Huefte hat mir dank der geliehenen Wanderstoecke auch nicht so grosse Probleme gemacht wie erwartet. Und Till blieb geduldig und wartete immer wieder auf mich. Wie man an den Fotos sieht, ist das Wetter dort total wechselhaft. Innerhalb von einer Stunde erlebt man Sonnenschein, Regen und Sturm (deshalb uebrigens mein schickes Heidituch) und die Temperaturen schwanken zwischen 3 bis 15 Grad. Wir hatten zum Glueck relativ viel Sonnenschein und relativ wenig starken Regen. Die Highlights des "W"s sind der Gletscher Grey,

ein paar tuerkise Lagunen,

das Valle Frances,

los Cuernos (wie Hoerner geformte Felsen)

...und die Torres del Paine (turmaehnliche Granitformationen). Von letzteren gibt es leider keine Fotos. Die haben wir trotz unglaublichen Anstrengungen am letzten Tag (wir waren oben am Aussichtspunkt) wegen Schnee und Nebel nicht gesehen. Hier der Beweis.

Ach ja und zwischendurch war ja auch noch Weihnachten. Am 24. wollten wir einmal nicht zelten und haben uns je ein Bett im Schlafsaal einer Herberge geleistet. Mitten im Nationalpark stehen da immer mal wieder sehr gemuetliche, kleine Holzhaeuschen mit warmen Duschen, Toiletten und Elektrizitaet, die ueber Pferde oder so mit Lebensmitteln versorgt werden und in denen man endlich mal wieder vom Wind geschuetzt ist. Wenn man da rein will, muss man draussen seine Schuhe ausziehen, was schicksalhafte Konsequenzen fuer Till haben sollte. Dort gab es ein Weihnachtsessen, dass wir an der Seite von netten Hollaendern, Schweizern und Israelis verbracht haben.

Die einzige Enttaeuschung war der Nachtisch: Dosenobst. Weihnachten ohne Trifle, nicht mal Tiramisu, nicht mal Schokoladenpudding. Einen weihnachtlichen Moment hatte ich dann doch noch als Etienne aus Holland Elvis Presleys Silent Night ueber sein i-phone abgespielt hat. Nach einer erholsamen Nacht im richtigen Bett wollten wir am naechsten Tag wieder starten, als Till feststellen musste, dass seine Wanderschuhe nicht mehr vor der Tuer lagen. Statt Geschenke reinzutun, muss der Weihnachtsmann die sich einfach mitgenommen haben. Da hatte Till also keine Wanderschuhe mehr. Er hatte auch keine anderen Schuhe und fuer einen Moment fuehlten wir uns wie gefangen im Nationalpark, auf Socken kommt man da naemlich nicht weit. Zum Glueck war einer von den Jungs, die in der Herberge arbeiten, bereit ihm seine Skaterschuhe zu verkaufen.

Von da an ist Till also in diesen Schuhen die Berge hoch und runter geslidet und wir haben alle Fuesse kontrolliert, die in den folgenden Tagen so an uns vorbeigelaufen sind, leider ohne Erfolg.
Aber er hat es auch ohne Wanderschuhe super gemeistert und wir sind heil mit Muskelkater wieder zurueck. Wir haben heute vor, nicht viel mehr zu machen als Schokolade zu essen und Fernsehen zu gucken, wie sich das fuer die Tage nach Weihnachten gehoert. Ausserdem muss ich meinen Husten auskurieren, den ich mir in den kalten Naechten im Zelt eingefangen habe. Morgen fahren wir mal wieder ueber die Grenze nach Argentinien, und zwar nach El Calafate. Ich hoffe, ihr hattet alle ein schoenes Fest, wir haben viel an euch gedacht!